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Montag, 23. Mai 2016

Nachtisch aus Usbekistan - Nischolda


Machen wir einen kulinarischen Ausflug nach Usbekistan, eine ehemalige Sowjetrepublik, die islamisch geprägt ist. Deshalb wird dort von gläubigen Muslimen der Ramadan eingehalten. Ramadan ist der islamische Monat des Fastens, d. h. zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wird nichts gegessen (und bei strenger Auslegung auch nichts getrunken).
Nach Einbruch der Dunkelheit muss es dann etwas dekadent-Süßes, Kalorienreiches geben: Nisholda.

Nischolda oder Nischalda wird aus einem Sirup aus der Süßholzwurfel hergestellt und mit Eiweis zu einer festen Masse geschlagen. Süßholzwurfel ist das Zeugs, aus dem man Lakritze macht, aber das Endprodukt schmeckt eher nach Vanille und regenbogenpupsenden Einhörnern.

Nischolda wird in großen Gefäsen auf Markplätzen zum Verkauf präsentiert, und verkauft wird es oft zusammen mit kleineren Keramikschüsseln, in denen es verpackt wird, oder auch mal in einem Cola-Becher - was gerade zur Hand ist.





Damit ihr es selbst mal probieren könnt, übersetze ich euch ein Rezept - sogut ich kann, schlagt mich nicht ;) 

Hinweis: Es folgt eine Übertragung dieses Textes: http://dunduk-culinar.ru/dessert/dessert-12.shtml

Nischalda - oder der Ausflug mit der Süßholzwurzel

Nischalda, diese Art östliches Halva haben wir als Kinder "Meschalda"  [Anmerkung des Übersetzers: Wortspiel mit "mischen" oder "rühren"] genannt. Du vermischst also Zuckersirup mit Eiweis und rührst, rührst, rührst... Uns Jungs war klar, dass die Hauptzutat ein Sud aus der Süßholzwurzel ist, die auch "Etmak" genannt wird, oder auch "Steppenroller" [Anmerkung des Übersetzers: bekannt aus Western-Filmen als Tumbleweed - das buschartige Zeug, das durchs Bild rollt, bevor ein Duell stattfindet]. Als ich in Taschkent gelebt habe, habe ich diese Wurzel ohne größere Anstrengung auf dem Basar der Traktorfabrik gefunden. Ich habe einfach den Verköufer gefragt: "Gibt es Etmak?", und er holte unterm Stand einen ganzen Sack Wurzeln hervor, einigermaßen überrascht von meinem Wunsch, Nischolda zuzubereiten. Welchen Sinn gab es darin, sich selbst abzumühen, Nischalda herzustellen, wenn sich auf dem Basar die Tische darunter biegen?

Aber für mich gab es einen Sinn, nämlich euch, liebe Freunde, diese Wunderwurzel zu zeigen, die die Hauptzutat in Nischalda ist. Es ist schwer mit Worten zu beschreiben. Nischalda ist luftig und gleichzeitig etwas zäh. Wenn man in der Mitte einen Löffel hineinsteckt, bleibt er stehen in der schaumigen und gleichzeitig elastischen Masse. Es gibt viel Vergnügen - wie sahnige Eiscreme, obwohl es keine Eiscreme ist. 

[Anmerkung: Es folgt im Text eine längere Erklärung über die chemischen Eigenschaften der Süßholzwurzel und einer anderen, ähnlichen Pflanze, an deren Ende der Autor selbst zugibt, dass es fürs Kochen eigentlich nicht relevant ist; kurz gesagt geht es um die aufschäumende Wirkung sogenannter Saponine. Der Autor versuchte es schließlich mit einem Süßholzpulver aus der Apotheke.]

Auf jeden Fall ist jetzt klar, dass dieser aufschäumende Bestandteil von Nischolda für jeden von uns verfügbar ist. 
Also, wir machen wir weiter unter der Annahme, dass man Nischolda nicht lange aufbewahren kann, weil es rohes Eiweiß enthält - länger als 1-2 Tage ist nicht empfehlenswert. 
Das Herstellen ist, wie ich oben gesagt habe, einfach. Für 2-3 Portionen braucht man:

- ein Glas Zucker
- zwei Eiweiß
- 25-30 Gramm Süßholzwurzel
[- etwas Zitronensaft] 
[- etwas Vanille]

Weder im Internet, noch im Kochbuchklassiker Pochlobkin und Machmudov (östlicher Art) habe ich das Rezept gefunden; dabei sind die Proportionen und Arbeitsschritte essentiell. Ich versuche diese Lücke zu füllen.

In den Zucker gießt man ein Glas kaltes Wasser und vermischt es gut. Diesen zukünftigen Sirup gibt man in einen kleinen Topf und erhitzt ihn auf niedriger Temperatur, während man in ständig rührt. Es ist wichtig, sich den Anfangsstand des Wassergemischs zu merken, weil dieses so lange gekocht werden bis, bis sich die Füllmenge halbiert hat hat [Anmerkung: durch das verdampfende Wasser]. Der Sirup verdickt sich dabei also und bekommt etwa die Konsitenz von Honig. Eine flüssigere Konsistenz würde dafür sorgen, dass sich am Ende Schichten absetzen. 

In einer separaten, kleinen Schüssel, die man auf die Herdplatte setzen kann, oder in einer kleinen Teekanne mit Deckel, bereiten wir den Sud aus der Süßholzwurzel vor. Die Wurzel aus der Apotheke ist bereits zerkleinert, so wie wir es brauchen. Wir müssen das Wasser gut abmessen - es soll nicht mehr als ein Viertel eines Glases sein. Nach dem Aufkochen muss es 20 Minuten lang bei geringer Hitze köcheln; am Ende sollen nicht mehr als zwei Esslöffel des Suds übrig bleiben - wenn es mehr ist, setzt es sich wie gesagt in Schichten ab. 

Danach, wenn der Sirup und der Süßholzwurzelsud bereit sind, schlagen wir zwei Hühnereier in einer weiteren Schüssel auf und entnehmen das Eigelb - das brauchen wir nicht. 

Das übrig gebliebene Eiweiß schlagen wir gut zu Schaum - am besten mit einem elektronischen Gerät. 



Den Sud der Süßholzwurzel gießen wir durch mehrere Schichten Gaze [Anmerkung Verbandsmaterial, oder grobes Tuch] in eine Schüssel, danach geben wir die festen Reste aus dem Sud in den Stoff hinein und drücken sie gut aus. Aber: es sollten wie gesagt nicht mehr als zwei Esslöffel voll Flüssigkeit am Ende dabei herauskommen.  

Nun fügen wir den etwas abgekühlten Sud zu dem Eierschaum hinzu und schlagen ihn weiter - es wird schäumen wie Seife.

Dann wird nach und nach der abgekühlte Sirup untergemischt, während wir weiter rühren. 

Es bleibt nur ein Problem - die Farbe [Anmerkung: wir wollen ein strahlendes Weiß]. Das Problem lässt sich lösen, indem wir einen Esslöffel Zitronensaft dazugeben und weiter rühren. Tatsächlich erlaubt das klassische Nishalda die Hinzugabe von Zitronensaft und sogar einer Prise Vanille.

Durch das weitere Schlagen erhält es dann seine eigentliche Farbe - weiß.  

Nun ist es geschafft. Das Nishalda sollte noch 20 Minuten in den Kühlschrank gestellt werden bevor es als Nachtisch serviert wird.


So, lasst mich wissen, ob es euch gelungen ist, oder ob ihr es weniger umständlich findet, stattdessen einfach nach Usbekistan zu fliegen um es zu kaufen... ;-) 






Sonntag, 21. Februar 2016

Russisch kochen Teil 5: Schaschlik

Echtes russisches Schaschlik wird nicht einfach gegrillt, sondern mit waffenartigen Spießen über dem Grill erdolcht. Diese Spieße heißen Schampura und haben sich aus dem arabischen Raum über den Kaukasus in Russland verbreitet. In Deutschland kann man Schampura bei den üblichen Versandhändlern online bestellen.


In Russland wird das Fleisch oft in mundgerechten Stücken eingefroren und in Eimern verkauft:

Im Sommer ist das kein Problem, weil man das Fleisch neben dem Grill oder in der Sonne auftauen lassen und dann auseinander brechen kann. Schwieriger wird es im Winter - aber natürlich findet ein echter Fan des Gillens immer einen Weg:


Die Spieße oben im Bild sind Schampura. Es finden allerdings auch käfigartige Konstruktionen Verwendung:


Nun, wie legt man das Fleisch am besten ein? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe hier (für Pute) eine Marinade aus saurer Sahne, Lorbeerblättern, Dill und Pfeffer und Salz hergestellt. Wer mag, kann auch Zwiebel und Knoblauch dazu tun. Das ganze wird über Nacht zum Ziehen in den Kühlschrank gestellt.


Mittwoch, 17. Februar 2016

Russisch kochen Teil 4: Piroshki-Rezept

Ab und zu probiere ich noch russische Rezepte aus. Heute sollen es die berühmten Teigtaschen werden: Piroshki. 


Das folgende Rezept kommt von einer Freundin aus Russland. Es kommen dabei je nach Füllmenge und Größe 20-30 Stück heraus. 
Ich habe drei verschiedene Füllungen ausprobiert: Hackfleisch, Marmelade, und Kartoffel-Ei.

Für den Teig:
Mehl - 1 kg
Milch - 1 großes Glas
Wasser - 1 großes Glas
Eier - 1 rohes
Hefe - 25 g (ich habe 2 Tütchen Trockenhefe genommen)
Zucker - 80 g
Pflanzenöl - ein halbes Glas

Für die Füllung: 
Zwiebel - 2 große
Hackfleisch - 200 g
(wer auf Kraut steht, kann das ganze mit 300 g Weißkohl strecken)
Eier - 1 rohes
Kartoffeln - 3 große (mehlig bis festkochend)
Eier - 4 gekochte
Marmelade - 1 Glas
Dill, Salz, Pfeffer, optional weitere Gewürze nach Geschmack
Optional: wasserlose Rinderbouillon wie diese

Zubereitung Teig: 
1. Hefe in Wasser-Milch-Gemisch auflösen
2. Zucker, Salz, Ei und Öl hinzurühren
3. Mehl hinzufügen und kräftig durchrühren
4. An einen warmen Ort stellen
Tipp: auf eine Wärmeflasche setzen: Der Teig wird sich aufblähen wie ein Kugelfisch. Zwei oder drei Mal soll man den Teig wieder nach unten drücken, dann ist er bereit zur Weiterverarbeitung.


Das Kneten kades Teigs nn per Hand besser funktionieren als mit einem Rührgerät - meins hat aufgegeben und der Teig hat die Knetstäbe gefressen. Wer in dem Bild oben genau schaut, sieht die Stäbe.

4. Hackfleischfüllung: Zwiebel kleinhacken und zusammen mit dem Hackfleisch und einem Ei durchbraten, gut würzen. Wer Weißkohl dazunehmen will, sollte ihn separat in etwas Wasser halb fertig garen und dann erst zum Hackfleisch dazugeben. Dazu kann dann Dill gemischt werden.

5. Marmeladenfüllung: Marmeladenglas öffnen ;-)

6. Kartoffel-Ei-Füllung: gekochte Eier schälen und hacken; Kartoffeln schälen, kochen und kleinschneiden. Mit Dill, Pfeffer und Salz gut würzen und mischen.

7. Ein Blech mit Backpapier vorbereiten, Öl darauf verteilen, und die Hände mit Öl einschmieren, damit der Teig nicht zu stark klebt.

8. Ein Stück vom Teig abreißen (vielleicht eine halbe Handvoll), flach drücken, einen gehäuften Esslöffel von einer der Füllungen hinzugeben (gerne mehr als im Bild) und zu einem Brötchen zusammendrücken, indem man die Ränder nach oben zieht und durch Drücken miteinander verklebt:


9. Im Ofen bei 150 Grad backen bis sie außen hellbraun aussehen. Optional können sie vorher etwas vorgebacken werden, indem man sie 10 Minuten lang bei 50 Grad aufgehen lässt. 
Alternativ zum Backen kann man sie auch in einer Pfanne in Öl braten.
10. Optional kann man ein Töpfchen Rinderbouillon nehmen, die gelantineartige Masse etwas geschmeidig rühren und mit einem Lebensmittelpinsel auf die fertigen Piroshki auftragen. Das gibt einen zusätzlichen, kräftigeren Geschmack.


Mit dem Zug von Frankfurt nach Moskau

Die "Zeit" titelte so schön: "Geisterzug aus Moskau". Es gibt also russische Züge auf Deutschlands Bahnhöfen, die zwar anhalten, aber nicht angesagt werden. Man findet die Verbindung auf bahn.de, aber kaufen kann man die Tickets nicht. Wir fragten daher das Reisebüro unseres Vertrauens, deren freundliche Mitarbeiter uns neben den Platzreservierungen auch gleich die Visa für Russland und die Transitvisa für Weißrussland besorgen konnten. Die Zugtickets selbst sind erst zwei Monate vor dem Reisebeginn buchbar, deshalb war es sinnvoll, erst mit der Beantragung den Visa zu beginnen, die jeweils 3-4 Wochen Bearbeitungszeit benötigen.

Los gehen soll es in der Nacht von Samstag auf Sonntag um zwei Uhr morgens vom Frankfurter  Südbahnhof; Ankunft ist nach 30 Stunden um 10 Uhr morgens in Moskau.

Meine Großmutter hat zu Sowjetzeiten eine solche Zugreise gemacht, allerdings bis nach Odessa in der heutigen Ukraine. Sie erzählte mir, das an der polnisch-weißrussischen Grenze nahe der Stadt Brest die Spurweite der Schienen wechselt und dass das Fahrgestell unter den Zügen einfach ausgetauscht wird, ohne dass jemand den Zug verlassen muss. Bei Youtube fand ich eine Videoaufnahme davon: Spurwechsel.

Sie erzählte weiter, dass es schöne, luxeriöse Züge mit Teppichen waren. Deshalb schlief sie nur mit einem Schuh in der Tür ihres Abteils: Denn es gab kleine Öfen in den Wagen, die mit Kohlen beheizt wurden, und deren Türchen wohl ab und zu offen standen. Sie malte sich aus, dass Kohle auf den Teppich fallen und den Zug in Brand stecken könnte, und sie wollte möglichst früh vom Rauchgeruch geweckt werden.
Diese Öfchen gibt es immer noch, aber die Teppiche habe ich nie gesehen, möglicherweise aus ebendiesem Grund... ;-)

Update: Möglicherweise lassen sich die Tickets an Schalter der Deutschen Bahn kaufen, denn die Fahrkarten sind auf typisch-Deutsche-Bahn-Papier gedruckt.
Außerdem ist der Zug zumindest am Frankfurter Südbahnhof gelistet - sogar auf dem Wagenreihungsplan mit Angaben über Wagennummern:



Freitag, 16. September 2011

Sammlung deutscher Wörter im Russischen

In Russland kann man deutsch sprechen und wird verstanden - man muss nur wissen, welche Wörter sich aus dem Deutschen ins Russische eingeschlichen haben.

Hier ist der aktuelle Stand meiner Sammlung deutscher Wörter im Russischen: Viele davon sind wenig gebräuchlich, weil es im Russischen für jeden Begriff bestimmt drei bis vier Wörter gibt, aber sie werden noch verstanden.

Absatz (im Text) - абзац (Absats)
Apfelsine - апельсин (Apelsin)

Backenbart - бакенбарды (Bakenbardy)
Banknote - банкнот (Banknot)
Buchhalter - бухгалтер (Buchgalter)
Büstenhalter - бюстгальтер (bjustgalter)
Butterbrot - бутерброды (buterbrody)
-- sind eher belegte Brote, Sandwiches

Dübel - дюбель (Djubel)

Eisberg - айсберг (Ajsberg)

Feuerwerk - фейерверк (Fejerwerk)
Flöte - флейта (Flejta)
Flügel (Anbau) - флигель (Fligel)
Föhn - фен (Fehn)

Gastarbeiter - гастарбайтер (Gastarbeiter)
Gastrolle (Gastspiel, Konzert-Tour) - Гастроли (Gastroli)
Gips - гипс (Gips) -- auch im Sinne von Gipsbein
Girlande - гирлянда (Girlanda)
Glasur (zB auf einem Kuchen) - глазурь (Glasur)
Glühwein - глинтвейн (Glintwejn)

Hauptquartier - штаб-квартира (Schtab-kwartira)

Jahrmarkt - ярмарка (Jarmarka)
-- in Russland eher ein basarähnliches aber überdachtes Einkaufszentrum

Kanister - канистра (Kanistra)
Kartoffel - картофель (Kartofel)
-- davon abgeleitet: картошка (Kartoschka), eine umgangssprachliche Bezeichnung für Karoffel
Kaserne - казарма (Kasarma)
Kegel - кегля (Keglja)
Keks - Кекс (Keks) -- eher eine Art Rosinenkuchen oder Muffin
Kelle (Baugewerbe) - кельма (Kelmá)
Klinge - клинок (Klinok)
Knopf (Button) - кнопка (Knopka)
Kompost - компост (Kompost)
Kompott (in Russland ein Getränk, kein Nachtisch) - компот (Kompot)
Kornbrot - Кернброт (Kernbrot)
-- ein wahrscheinlich nur in Sankt Petersburg verstandener Ausdruck für deutsches Brot

Landschaft - ландшафт (Landschaft)
Löwe - лев (Lew)

Maßstab (auf einer Landkarte) - масштаб (Masschtab)
Matratze - матрац (Matrats)
Möbel - мебель (Mebel)
Mundstück - мундштук (Mundschtuk)
Müsli - мюсли (Mjusli)

Quartz - кварц (Kwarts)

Reise (Flug, Fahrt, Tour) - рейс (Rejs)
Route (Reiseroute, Marschweg) - маршрут (Marschrut)
-- davon abgeleitet: маршрутка (Marschroutka), Bezeichnung für Linientaxis und Minibusse
Rucksack - рюкзак (Rjuksak)

Schacht - шахта (Schachta)
Schelm - шельма (Schelma)
Schleuse - шлюз (Schljus)
-- stammt wahrscheinlich eher aus dem Niederländischen (sluis); das Wort wird auch in Netzwerktechnik für "Gateway" verwendet
Schlagbaum - шлагбаум (Schlagbaum)
Schlager - шлягер (Schljager)
Schleifmaschine - шлифмашина (Schlifmaschina)
Schnaps - шнапс (Schnaps)
Schnitzel - шницель (Schnitsel)
Schriftart - шрифт (Schrift)
Skala (auch Stufenleiter) - шкала (Schkala)
Spatel - шпатель (Schpatel)
Speck - шпик (Schpik)
-- mittlerweile ist der englische Begriff бекон (bekon) - bacon üblicher
Spritze - шприц (Schpris)
Stab (militärisch) - штаб (Schtab)
Stange (Gewichtheben) - штанга (Schtanga)
Stapel (Haufen) - штабель (Schtabel)
Stecker - штекер (Schteker)
-- ein anderes Wort für Stecker ist auch aus dem Deutschen entliehen: штепсель (Stepsel) - Stöpsel
Stempel (Siegel) - штемпель (Schtempel)
Strafe (Geldstrafe) - штраф (Schtraf)
Strich (Verbindung von Punkten) - штрих (Schtrich)
Stuck (Verputz) - штукатурка (Schtukaturka)
Stück - штука (Schtuka)

Wache - вахта (Wachta)
Wächter (Portier) - вахтёр (Wachjór)
Waffel - вафля (Waflja)
Waldhorn - валторна (Waltorna)

Zifferblatt - циферблат (Ziferblat)


Weniger offensichtlich sind folgende Wörter:
- кран (Kran) von "Kranich" ist das heute übliche Wort für "Wasserhahn".
- галстук (Halstuch) bezeichnet nun Kravatten.
- eine Narbe wird im Russischen als шрам (Schram) bezeichnet
- der Friseur wird heute noch парикмахер (Parikmacher), also "Perückenmacher" genannt.
- плацкарт (Platzkart) nennt man einen reservierten Sitzplatz im Zug.
- ein Flachbandkabel im Computer wird als Schleife - шлейф (Schlejf) bezeichnet, zB. 80-ти жильный шлейф - 80-adriges Flachbandkabel.
- auf hoher See hat man mit einem шторм (schtorm) - Sturm zu kämpfen, aber auch mit einer штиль (Schtil) - Flaute (von: Stille).
- entlehnt wurde auch das deutsche Wort "Blatt": Zu Lenins Zeiten stand auf einem Blatt Papier, was einem zustand. Nach und nach veränderte sich die Bedeutung des Wortes "Blatt" im Russischen zu "Vetternwirtschaft" oder "Erfolg durch Beziehungen".


Außerdem kennt jeder in Russland die deutschen Wörter "eins", "zwei", "drei", "Achtung", "Guten Tag", "Blitzkrieg" und "Gitler kaputt" (das deutsche "h" wird meistens mit "g" transliteriert)


Update: Mittlerweile gibt es eine Liste in Wiktionary

Freitag, 10. Juni 2011

Russisch kochen, Teil 3: Der Sommer kommt - Zeit für Okroschka und Kwas


Okroschka ist eine kalte Suppe, die typischerweise im Sommer zubereitet wird.
 
Die am weitesten verbreitete Okroschka-Variante wird mit Kwas zubereitet – das ist ein aus vergorenen Brotkrümeln zubereitetes, (fast) alkoholfreies Getränk, das allerdings gewöhnungsbedürftig ist. Wer also noch nie vorher Kwas getrunken hat, sollte Okroschka lieber stattdessen mit saurer Sahne zubereiten. Kwas bekommt man in Flaschen abgefüllt in jedem russischen Lebensmittelladen, die es in jeder größeren Stadt gibt (einfach mal nach "russische Lebensmittel" googeln!), aber man kann es mit etwas Zeit auch selbst herstellen (siehe weiter unten). Saure Sahne nennt sich in Russland Smetána und hat einen wesentlich höheren Fettgehalt als in Deutschland; man bekommt Smetana ebenfalls in vielen russischen Lebensmittelläden.

Zutaten für Okroschka (ca. 4 Portionen):
1 Bund Radieschen
5-6 Kartoffeln
3 Eier
200 g Geflügelwurst oder Jagdwurst
1/2 Gurke
0,5l Kwas oder saure Sahne

 Man koche die Kartoffeln wie Pellkartoffeln mit Schale, und die Eier hart. Nach dem Abkühlen schneide man die Kartoffeln und Eier in kleine Stücke, etwa einen bis einen halben Zentimeter groß, die Kartoffeln können gern etwas grober geschnitten sein. Man schneide die Jagdwurst, die Gurke und die Radieschen in Würfelchen und mische alle Zutaten wie einen Salat zusammen. Fertig! Der Kwas wird erst beim Servieren über den gefüllten Teller gegossen. Alternativ kann mit Wasser verdünnte saure Sahne verwendet werden, die man mit Küchenkräutern nach Belieben verfeinern kann. Es existieren sogar Varianten mit Kefir – es gibt wie immer in der russischen Küche Spielraum zum Experimentieren und Improvisieren.


Zubereitung von Kwas:
In einigen russischen Lebensmittelläden gibt es fertiges Kwas-Pulver zu kaufen, aber man kann es durchaus aus getrocknetem Schwarzbrot selbst herstellen. Eine befreundete Russin gab mir folgendes Rezept (ergibt 3 Liter Kwas):
In einen Liter kochenden Wassers drei Teelöffel Kwas-Pulver, drei Teelöffel Zucker, 25 Gramm zerkrümelte Hefe und ein paar Rosinen geben, kurz aufkochen lassen. Dann wird das Gemisch in einen Glasbehälter umgefüllt (der mindestens drei Liter fassen muss) und 12 Stunden lang in der Sonne stehen gelassen. Anschließend fügt man je zwei weitere Teelöffel Pulver und Zucker hinzu und noch zwei Liter kochendes Wasser.
Das Gefäß muss dann ohne Deckel weiterhin in der Wärme stehen, und wenn alles nach Plan läuft, werden bald kleine Bläschen aufsteigen, das heißt, die Gärung setzt sein. Das Getränk ist erst fertig, wenn keine Bläschen mehr nach oben steigen. Das geschieht in der Regel nach zwei Tagen. 

Freitag, 3. Juni 2011

Munitionslager nahe Izhevsk (Ischewsk) explodiert

In der Nacht vom 2. zum 3. Juni explodierte ein Munitionslager des russischen Verteidigungsministeriums nahe dem udmurtischen Dorf Pugatschowo (Pugatschewo, Pugachevo). Die Flammen waren noch im 30 Kilometer entfernten Izhevsk deutlich am Nachthimmel zu erkennen.  
Bisher wurden offiziell drei Verletzte gemeldet. Pugatschewo und die umliegenden Dörfer wurden evakuiert, die Gegend abgesperrt.  

RIA Novosti berichtete, dass insgesamt 13.000 Menschen ihre Dörfer verlassen mussten. Nach Augenzeugenberichten machten sich viele zu Fuß auf den Weg in die nächstgelegenen Städte. Aber auch im 4 Kilometer entfernten Agryz flohen Menschen vor der Aschewolke. 
Laut RIA Novosti stehen vermutlich 18 Lagerhallen in Flammen. Die Menge der gelagerten Munition soll sich auf ein Volumen von 5.000 bis 10.000 Eisenbahnwagons belaufen. Die Regierung kündigte an, zwei Iljuschin Il-76-Löschflugzeuge zu schicken um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. 
In der Komsomolskaya Pravda war zu lesen, dass sich nur wenige Kilometer entfernt eine Pipeline der Ölgesellschaften Transneft / Bashneft befinde, die 20.000 Tonnen Öl pro Tag befördert. Die Feuerwehr habe die Situation jedoch unter Kontrolle, hieß es jedoch im Artikel. 


Update:
Mittlerweile wird von zwei Toten durch Herzinfarkt und 52 Verwundeten durch explodierte Granaten gesprochen. Der Armee-General Dmitry Bulgakov bestätigte, dass sich auch Raketen in dem Waffenlager bei Pugatschewo befänden, sie seien jedoch in Bunkern gelagert und gut vor den Bränden geschützt. Die Komsomolskaya Pravda berichtete, dass die Explosionen mittlerweile in größeren Abständen geschähen, und Experten schätzten, dass die Lagerhallen innerhalb eines Tages ausgebrannt sein werden. Es wird jedoch weiterhin spekuliert, dass sich noch gefährlichere, alte Raketen in den Lagern befänden. Seit 14:23 Uhr seien jedoch drei Löschflugzeuge im Einsatz. Der Ölfluss in den Pipelines wurde gestoppt.
Die Lage in Izhevsk ist weiterhin ruhig.


Letzter Nachtrag (4.7.):
Offenbar wurde mindestens ein Soldat beim Löschversuch getötet, ohne dass die Öffentlichkeit informiert wurde. Dies wurde von Bekannten eines mutmaßlichen Opfers berichtet.
Als Ursache des Feuers gilt Fahrlässigkeit, allerdings kursieren die in Russland üblichen Theorien, dass ein groß angelegter Diebstahl von Militärgütern durch die Leitung des Depots vertuscht worden sei. Der wahre Kern scheint zu sein, dass es tatsächlich immer wieder zu Diebstählen durch Privatpersonen und Soldaten in den schlecht gesicherten Depots kommt. 
Häuser gibt es in dem Dorf Pugatschowa keine mehr, die Soldaten verbleiben dort in Zelten. Die Wucht der Explosionen hatte sogar noch in den nahe liegenden Ortschaften die Fenster gesprengt.